Beruf Steuerberater – Die Zukunftsaussichten der Branche

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Die Zahl der Steuerberater ist in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen. Zusätzlich öffnet sich der Markt auch für ausländische Berater und qualifizierte Bilanzbuchhalter und Steuerfachwirte drängen in typische StB-Geschäftsfelder. Wohin geht die Reise?


Der Beruf des Steuerberaters verspricht auch in Krisenzeiten ausgezeichnete Zukunftsperspektiven. Die Zahl der Bestellungen zum StB ist seit Jahren auf einem hohen Niveau. Das belegen auch die von der Bundessteuerberaterkammer herausgegebenen Berufsstatistiken. Die Zahl der Steuerberater und Steuerberatungsgesellschaften ist in den letzten beiden Jahren jeweils um 2,5% gestiegen.

Dieser konstante Anstieg im Berufsstand zeigt die unverändert hohe Attraktivität des steuerberatenden Berufs. Da der Beratungsbedarf für eine qualifizierte Unterstützung bei der Planung und Durchführung steuerrelevanter Sachverhalte aufgrund der Schnelllebigkeit und Komplexität des Steuerrechts nach wie vor sehr hoch ist, gelten die Berufe rund um das Steuerrecht als äußerst krisensicher.

Das Berufsbild wandelt sich

Die Steuerberaterbranche ist deshalb sicher nicht vom Aussterben bedroht. Steuerberater werden auch weiterhin in den Kerngebieten ihre Dienste anbieten und Vorbehaltsaufgaben wie Deklarations- und Steuergestaltungsberatung sowie Steuerrechtsdurchsetzungsberatung übernehmen.

Aber es tut sich etwas in der Branche. Nicht nur deshalb, weil die Zahl der Mandanten pro Kanzlei (bei steigender Zahl der StB-Kanzleien) zurückgehen wird oder weil Steuerberater sich zunehmend mit Eigen-Marketing beschäftigen müssen. Das Berufsbild wandelt sich. Der Anteil der vereinbaren Tätigkeiten nimmt zu.

Neue Geschäftsfelder für den steuerberatenden Beruf ergeben sich aber auch aus einer Optimierung seiner klassischen Aufgaben: Wie keinem anderen stehen dem Steuerberater mit der Buchhaltung Wirtschaftsdaten zur Verfügung. Das Ziel der Steuerberatung ist es, die steuerliche Situation des Mandanten zu verbessern und nach Möglichkeit zu optimieren. Folglich besteht ein großer Bedarf für steuerliches Fachwissen im Feld der klassischen Gestaltungsberatung.

Der moderne Steuerberater wird deshalb künftig noch weniger ein reiner Erfüllungsgehilfe zur Erledigung steuerlicher und handelsrechtlicher Pflichten sein. Standardisierte Leistungen wie Finanz- und Lohnbuchhaltung sowie Einkommensteuererklärungen werden weiter in den Hintergrund treten und durch fertige Software ersetzt. Vielmehr werden Steuerberater kompetente Partner für Fragen der Existenz- sowie Zukunftssicherung werden und Unternehmen bei betriebswirtschaftlichen Fragestellungen den Weg weisen.

Etwas pointiert wird diese Tätigkeit als Allrounder in diesem Video gezeigt:


International Denken und Handeln

Zukunft als Steuerberater: International denkenDie Welt ist vernetzt, Märkte sind global, beides erfordert ein Umdenken. Gefordert sind Steuerberater zunehmend auch auf Feldern wie internationalem Steuerrecht und Transaktionssteuerrecht. Selbst über internationale Rechnungslegungsvorschriften benötigen die Experten gute Kenntnisse.

Individualisierung, Spezialisierung und Alleinstellungsmerkmale im Bezug auf neue Geschäftsfelder werden im Vordergrund stehen – zum Beispiel Wirtschaftsberatung, wirtschaftsjuristische Beratung und Nachfolge. Auch Spezialgebiete wie grenzüberschreitende Steuerberatung sind zukunftsfähig. Die Kombination vielseitiger Fremdsprachenkenntnisse und Spezialisierungen, z. B. als Fachberater, verbessern die Perspektiven zusätzlich.


Perspektiven außerhalb klassischer Steuerberatungsfirmen

In der Vergangenheit war dem Steuerberater eine Angestelltentätigkeit im Wesentlichen nur bei anderen Berufsangehörigen erlaubt. Seit 2008 kann er unter bestimmten Voraussetzungen auch als Angestellter bei einem nicht berufsständischen Arbeitgeber tätig sein und den Beruf als Syndikus ausüben. So entstehen auch in der gewerblichen Wirtschaft zahlreiche Möglichkeiten, um sich zu verwirklichen. Banken, Versicherungen oder Fachabteilungen für Rechnungs- und Finanzwesen von Industriebetrieben, aber auch Fachbuchverlage kommen als potentielle Arbeitgeber in Frage.

Ein weiteres Tätigkeitsfeld, das in Betracht kommt, beruht auf der komplizierten Gestaltung und Formulierung von neuen gesetzlichen Vorschriften. Selbst Experten benötigen erläuternde Fachveranstaltungen oder umfangreiche Anwendungserlasse, um diese zu verstehen. Wer aber berät die Steuerberater und Hochschuldozenten? Hier entsteht ein neues Wirkungsfeld.


Fazit

Die Perspektiven des steuerberatenden Berufs werden gemeinhin kontrovers diskutiert und unterschiedlich beurteilt. Die künftige Beeinträchtigung des Berufsstandes durch die zunehmende Europäisierung und einer damit einhergehenden Betätigung auch ausländischer Berufsträger wird hingegen nicht wegzudiskutieren sein. Darüber hinaus drängen insbesondere qualifizierte Bilanzbuchhalter und Steuerfachwirte verstärkt nach einer Erweiterung ihrer beruflichen Kompetenzen und damit nach Einschnitten in die Vorbehaltsaufgaben des steuerberatenden Berufs.

Der Steuerberater wird damit in verstärktem Maße dazu aufgerufen sein, seine hohe Qualifikation durch Ausweitung seines Betätigungsfeldes deutlich zu machen. Insbesondere die Bereiche der Unternehmensberatung, Existenzgründung und auch Insolvenzverwaltung bieten sich dazu an.

Der Steuerberater von morgen wird eine Art Lotsenstellung für oder in Unternehmen einnehmen: Er wird ein kompetenter Ratgeber seines Mandanten bei der strategischen Unternehmensplanung sein. Diese reicht von der Festlegung von Unternehmenszielen über Budgetierung, Finanz- und Investitionsplanung und Controlling bis zum Chancen- und Risikomanagement für das Unternehmen.

Insgesamt ist festzuhalten, dass sich der steuerberatende Beruf, wie die viele andere Berufe auch, im Wandel befindet. Für diesen scheint er aufgrund seines sicheren Fundamentes in Form ausgezeichneter Qualifikation jedoch gut gerüstet zu sein.


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