Steuerberaterprüfung – Grundlegende Infos zum gefürchteten Examen

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“Das Steuerberaterexamen sollte man gemacht habe, bevor man eine Familie gründet.” So reden viele über eine der härtesten Prüfungen im Berufsleben. Nachfolgend haben wir grundlegende Infos zur Steuerberaterprüfung zusammengetragen und geben einen Überblick über alles, was man wissen muss.



Der Titel “Steuerberater/-in” ist geschützt und darf ausschließlich von Personen getragen werden, die eine umfassende theoretische und praktische Ausbildung absolviert haben. Und dazu gehört in letzter Instanz eben die äußerst anspruchsvolle staatliche Steuerberaterprüfung. Ihr hoher Schwierigkeitsgrad entspricht den täglichen beruflichen Herausforderungen. Mit dem Bestehen dieses Examens beweisen die Prüflinge, dass sie in der Lage sind, den Beruf des Steuerberaters ordnungsgemäß auszuüben.


Voraussetzungen

Kurz zusammengefasst:

Steuerberaterprüfung Voraussetzung

Die ausführliche Beschreibung der Voraussetzungen, formal und persönlich, finden Sie hier bei uns.


Intensive und lange Vorbereitungsphase

Wie erwähnt, ist das Steuerberaterexamen eine der härtesten Abschlussprüfungen Deutschlands. Dies belegen auch die konstant hohen Durchfallquoten. Im Durchschnitt besteht nur etwa die Hälfte der angemeldeten Prüfungsteilnehmer das Examen im ersten Anlauf. Die beiden häufigsten Gründe dafür sind, dass die Länge der Vorbereitungsphase sowie der Lernaufwand unterschätzt werden. Neben dem diszipliniertem Selbststudium wird die Teilnahme an sogenannten Vorbereitungslehrgängen deshalb ausdrücklich empfohlen.

So erschreckend es auch erstmal klingt, aber das StB-Examen und die Vorbereitung darauf sollten für circa 12-18 Monate das Wichtigste im Leben sein. Berufsberater Stefan Mälz sagt dazu:

„Alle anderen Themen müssen sich unterordnen, sonst schafft man das Examen erfahrungsgemäß nicht im ersten Versuch. Das ist dann nicht nur frustrierend, sondern auch sehr kostenintensiv, da man nochmal weitere Lehrgänge absolvieren muss. Mein Tipp: Gründen Sie in der Zeit keine Familie, kriegen Sie keine Kinder und bauen Sie kein Haus.“

Da bei so viel Vorbereitung auch viel auf dem Spiel steht, verzichtet mittlerweile kein Prüfling mehr auf professionelle Unterstützung. Bei der Zusammenstellung der Vorbereitungslehrgänge hat sich eine Mischung aus einem fachlichen Vorbereitungskurs für die schriftliche Prüfung (z.B. als Fernlehrgang oder Samstagskurs), einem Klausurentraining und einem Vorbereitungskurs für die mündliche Prüfung bewährt.

Diesem Thema Vorbereitungslehrgänge haben wir einen ausführlichen Ratgeber-Artikel gewidmet.


Durchfallquoten / Ergebnisse der Steuerberaterexamen

Nachfolgend haben wir beispielhaft die Ergebnisse der Steuerberaterprüfung 2013/2014 zusammengetragen. In Brendenburg haben demnach die wenigsten Prüflinge bestanden, in Schleswig-Holstein die meisten.

StB-Kammer bzw. BundeslandZugelassenAbgelegte schriftliche Prüfungdavon abgelegte mündl. PrüfungBestandenDurchfallquote
Gesamt5.0924.0042.73241,7%
Bayern91171454344138,2%
Baden-Württ.70958437033542,6%
Berlin2471761059943,7%
Brandenburg6648221862,5%
Bremen6254373437,0%
Hamburg32716817715442,5%
Hessen54545429428337,7%
Meck.-Pomm.4231171648,4%
Niedersachsen27222316614535,0%
NRW1.2981.03672460341,8%
Rhein-Pfalz154113737137,2%
Saarland4532212037,5%
Sachsen166123746150,4%
Sachsen-Anhalt5040282537,5%
Schleswig-Hol.8264454234,4%
Thüringen5344342836,4%

Interessant ist auch zu sehen, wie viele zugelassene Bewerber noch vor den schriftlichen Prüfungen das Handtuch werfen. Rund 15-20% derjenigen, die von der Kammer zur Steuerberaterprüfung zugelassen sind, nehmen dann doch nicht teil.


Finanzierung & Unterstützung durch den Arbeitgeber

Kosten Steuerberater ExamenDie durchschnittlichen Kosten für die Vorbereitung auf das Steuerberaterexamen betragen 10.000 – 15.000 Euro. Das muss man erstmal finanzieren können. Daher legen viele Berufstätige mit Ziel „Bestellung zum Steuerberater“ schon ab dem ersten Berufsjahr monatlich mehrere hundert Euro zur Seite.

Hilfe bei der Vorbereitung gibt es oft auch vom Arbeitgeber: Sie unterstützen ihre Mitarbeiter in der Examensphase, indem sie ihnen z.B. helfen, Urlaub anzusparen. Oder sie bieten andere Möglichkeiten, sich für einen bestimmten Zeitraum freistellen zu lassen. Einige typische Formen der Unterstützung haben wir hier zusammengestellt. Dazu zählen:

  • Unterstützung der Freistellungsphase vor dem Steuerberaterexamen durch bezahlte Zusatzurlaubstage
  • Bezahlte Freistellung vor der mündlichen Steuerberaterprüfung
  • Kostenzuschuss
  • Prämie bei Bestehen der Prüfung


Der Prüfungsablauf

Der schriftliche Teil des Steuerberaterexamens findet bundesweit immer an gleichen Terminen im Oktober statt. Die Frist für die Anmeldung endet im April.

Schriftliche Prüfungen
Ablauf Prüfungen SteuerberaterIn der Prüfung erwarten die Kandidaten drei jeweils sechsstündige Klausuren. An drei aufeinander folgenden Tagen werden komplexe Aufgaben unter anderem aus den Bereichen Verfahrensrecht, Ertragssteuerrecht und Bilanzsteuerrecht unter Aufsicht bearbeitet.

Die Themen & Inhalte haben wir hier zusammengefasst.

Mündliche Prüfungen
Wer den schriftlichen Teil bestanden hat, wird im Folgejahr zur mündlichen Prüfung eingeladen. Hier müssen die Teilnehmer in 90 Minuten Fragen aus sechs Prüfungsgebieten beantworten, etwa zur Umsatz- und Ertragssteuer, zum Verfahrensrecht, Berufsrecht und Bilanzsteuerrecht. Auch ihr betriebs- und volkswirtschaftliches Wissen wird auf die Probe gestellt. Ein zehnminütiger Vortrag zu einem kurz vor der Prüfung gestellten Thema gehört ebenfalls dazu.

Die Prüfungskommission
Die sechsköpfige Prüfungskommission setzt sich aus Finanzbeamten des höheren Dienstes, Berufsträgern mit langjähriger Berufserfahrung sowie Professoren oder auch Sachverständigen aus der freien Wirtschaft zusammen.

Die Steuerberaterprüfung gilt als bestanden, wenn der Notendurchschnitt aus schriftlicher und mündlicher Prüfung mindestens 4,15 ergibt. Die Leistungen aus schriftlicher und mündlicher Prüfung werden dabei gleich gewichtet.


Kleiner Test: Bin ich bereit für die Steuerberaterprüfung?

Die nachfolgenden Fragen sollen Ihnen vor Augen führen, was es bedeutet, zum Examen anzutreten:

Lernen/ Selbststudium

  • Habe ich einen Ort (normalerweise zu Hause), an dem ich pro Woche 10-15 Stunden konzentriert lernen kann?
  • Kann ich mich gut selbst organisieren und disziplinieren, um die selbst erteilten Lernpläne auch einzuhalten?

Arbeitgeber

  • Kann ich mein Arbeitspensum reduzieren, z.B. auf eine 4-Tage-Woche?
  • Gibt es weitere Unterstützung vom Arbeitgeber, z.B. durch finanzielle Prämien oder (un-)bezahlte Freistellung?

Persönliches Umfeld

  • Kann ich meine Familie, Freunde und Hobbys über mehrere Monate vernachlässigen, ohne dadurch noch stärkeren Druck zu erfahren?
  • Kann ich mich auch mal 2-3 Wochen am Stück zurückziehen, z.B. für die intensive Vorbereitung kurz vor den Klausuren oder der mündlichen Prüfung?


ABER: Es lohnt sich

BestandenJetzt haben Sie bis hierhin gelesen und eigentlich klingt alles furchtbar und irgendwie nach „Das schaff ich eh nicht“. Aber lassen Sie sich jetzt direkt wieder motivieren von den vor Freude platzenden Kommentaren derjenigen, die die Steuerberaterprüfung bestanden haben:

Juhuuuuuuuuuuuu, es ist vorbei!!! Ich bin sowas von glücklich!!!

Es ist vollbracht, ich habe bestanden!!!! Das ist ein unglaublich tolles Gefühl, auch wenn ich es noch nicht so richtig glauben kann. Irgendwie ist es noch nicht richtig angekommen. Es soll vorbei sein? Keine Klausuren mehr? Keine Selbstgespräche unter dem Vorwand „Vortragen üben“? Nicht mehr am Schreibtisch sitzen, während draußen die Sonne lockt?

Es war ein weiter Weg, aber das Ziel wurde letztendlich erreicht. Es hat sich gelohnt dran zu bleiben und nicht aufzugeben.

Das sind Zitate aus dem empfehlenswerten NWB-Campus-Blog. Dort bloggen viele Prüflinge von der Vorbereitungszeit bis zum Examen.

Wir wünschen Ihnen viel Durchhaltevermögen und noch viel mehr Erfolg auf dem Weg zum Berufsziel Steuerberater!


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